Die Alternative zur Ski-Piste

Die Skiausrüstung hat beim Besuch in Winterberg natürlich nicht gefehlt. Schließlich muss man gewappnet sein, für den Fall der Fälle. Und der ist eingetreten. Schon Anfang Januar. Als wir in Winterberg ankommen, ist der ganze Ort in Weiß gehüllt. Schneepracht mitten in NRW, obwohl das Drumherum sich eher im winterlichen Einheitsgrau präsentiert. Denn die Anreise gestaltete sich für alle – egal ob mit dem Auto oder der Bahn – schneefrei.
Nur im Sauerland, da tat sich dann die perfekte Winteridylle auf. Klar, dass bei der Planung für die nächsten Tage Skifahren ganz oben auf der Agenda stand. Perfekt natürlich, dass wir da im Hotel Oversum abgestiegen sind. Einem 4-Sterne-Superior Ski &Vital Resort. Die Piste in greifbarer Nähe.
Die erste Erkundungstour nach der Ankunft hat uns dann natürlich auch, wie könnte es anders sein, Richtung Skipiste gezogen. Oder besser gesagt Richtung Skiverleih. Denn zwar war jeder kleidungstechnisch für die Piste gewappnet, aber nicht alle hatten ihre Skier dabei. Einzige Ausnahme im Reigen: Ich. Denn ich besitze gar keine Skier und zugegebenermaßen bin ich auch noch nie Ski gefahren. Halt. Nicht ganz richtig. Ski gefahren bin ich sehr wohl schon, allerdings war mein bevorzugter Untergrund dabei immer das Wasser und nicht der Schnee.
Abends beim leckeren Vier-Gänge Menü im Hotel wird dann beschlossen: Am nächsten Tag geht es auf die Piste. Klar beuge ich mich da der Mehrheit. Die passende Bekleidung habe ja auch ich im Gepäck. Voraussetzung Nummer eins ist damit schon einmal erfüllt. Für alles andere gibt es ja schließlich immer noch einen Skikurs oder Skilehrer.
Am nächsten Morgen machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg. Es schneit und das nicht zu knapp. Beim Skiverleih Klante angekommen, erwartet uns gnadenlose Überfüllung, eine lange Warteschlange und ein Systemausfall. Die Türen werden vorsichtshalber geschlossen, drinnen geht das abwicklungstechnische Prozedere „zu Fuß“ weiter. Geduld ist da das Zauberwort. Auch ich bekomme ein paar Skischuhe ausgehändigt und stehe schon vor dem ersten Problem. Wie diese Dinger nur anbekommen? Gar nicht so einfach und für die freundliche Angestellte auf den ersten Blick ersichtlich: Blutiger Anfänger am Werk.
Eine Tatsache, die ich auch sofort zugebe, während sich alle anderen routiniert ihre Ausrüstung anlegen. Ein Skilehrer ist morgens nicht mehr verfügbar, erfahre ich auf Nachfrage. Die Skischule bei Skiverleih Klante macht erst nachmittags auf. Die Angestellte meint es gut mit mir und gibt mir den Tipp, schräg gegenüber zu fragen. Also kämpfe ich mich zunächst durch die überfüllten Räumlichkeiten, durchbreche die lange Warteschlange vor der Tür, nur um gegenüber zu erfahren, dass auch dort erst nachmittags wieder Kurse beginnen.
Der Blick zur Piste zeigt: Highnoon. Mir ist schnell klar, dass ich als blutiger Anfänger da ohne Kenntnisse gar nicht erst einen „freien“ Versuch starten zu brauche, obwohl einige aus meiner Gruppe es mir beibringen wollen. Nein, da wäre ich nur ein Hindernis auf der Piste. Und bis nachmittags warten? Zwecklos, wir haben noch nicht einmal 12 Uhr.

Der Schluchten- und Brückenpfad in Winterberg umfasst mehrere Routen und besticht durch einmalige Bilder. Foto: Tina Nitsche

Was also tun? Fußmarsch. Den Ort erkunden, was angesichts der Größe zugegebenermaßen recht schnell erledigt ist. Ok, jetzt hätte ich den Sauna- und Wellnessbereich im Hotel nutzen können. Aber ich bin da doch eher der „Draußenmensch“. Und als solcher entdecke ich nachmittags dann am Kurpark, der unmittelbar am Hotel Oversum grenzt, den Schluchtenweg.
Neugierig geworden, mache ich mich auf den Weg. Atemberaubende Bilder tun sich vor mir auf und ja, auch ganz steile Abhänge. Eine Familie kommt mir entgegen, die mir erzählt, dass es mehrere Routen gibt. Ich probiere mein Glück. Wandere zunächst alleine. Entschleunigen zu Fuß. Das hat was. So inmitten der Winteridylle. Irgendwann treffe ich einen Einheimischen mit Hund. Und der verrät mir dann, dass er im Januar nie auf die Piste geht.
„Zu voll, vor allem an den Wochenenden.“ Da genießt auch er lieber die Natur. Und die ist hier auf dem Schluchtenweg einmalig. Schroffe Felswände, die auf der einen Seite steil aufsteigen, auf der anderen Seite der Blick in die Tiefe, der irgendwo zwischen Tannen endet. Bachläufe die von schneebedeckten Hängen umsäumt sind, Bäume die sich in den Himmel strecken und eine wild anmutende Vegetation, die hier und da unter dem weißen Schneekleid zu erahnen ist.
Also, auch für nicht Ski-Hasen hat das Sauerland im Winter jede Menge zu bieten. Denn steil bergab geht es nicht nur auf der Piste, sondern auch auf dem Schluchten- und Brückenpfad in Winterberg. Tina Nitsche

Das Hotel Oversum liegt an Winterbergs Kurpark. Der Schluchten- und Brückenpfad ist fußläufig erreichbar und auch die Skipiste ist in der Nähe. Foto: Tina Nitsche

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