Katrin Wachsmann war drei Monate auf Wanderschaft

Der Rucksack ist schon alt. 31 Jahre um genau zu sein. Aber er leistet allerbeste Dienste. Und vor allem ist er schon viel rumgekommen mit seiner Besitzerin. Denn Katrin Wachsmann geht gerne auf Wanderschaft. Und das durchaus auch einmal in großem Stil. Mit einer dreimonatigen Tour durch Frankreich, die Schweiz, und Italien hat sie sich dabei einen Traum erfüllt.
Der Rucksack war selbstverständlich dabei. Schließlich barg er das Notwendigste auf der langen Reise, die größtenteils zu Fuß zurückgelegt worden ist. Eine kurze, eine halblange, eine lange Hose. Wanderschuhe und Wandersandalen, ein Fleece- und ein Wanderhemd. Zwei Wandershirts, zwei T-Shirts, „und eines zum Schlafen, sowie drei Paar Socken und Regenjacke“, sagt Katrin Wachsmann. Und natürlich das Zelt, Schlafsack, Waschpaste und Isomatte. Mehr nicht. Reisen mit leichtem Gepäck. Aber genau das fasziniert. Garantiert das doch ein großes Maß an Freiheit. Der Rucksack ist nicht nur Begleiter gewesen, sondern durchaus auch mal Wäschetrockner auf dem Rücken seiner Trägerin.
Geburtstagsgruß in den Bergen
Mit ganz wenig auszukommen, das stört Katrin nicht. „Ich bin eben ein schlichter Mensch, schlicht im Sinne von bescheiden.“ Ihre drei Kinder sind aus dem Haus. „Da hatte ich jeden Monat 600 Euro über“, verrät sie. Das Geld hat sie weggelegt. Für ein Vorhaben, das sie immer schon realisieren wollte. Den Rucksack schnüren und einfach losziehen. „Eigentlich wollte ich das mal tun, wenn ich in Rente bin, aber weshalb warten?“ Die Lehrerin hat nicht gewartet. Sie hat ein Sabbatjahr eingelegt Und bereits im ersten Vierteljahr eine ganze Menge gesehen, erlebt und noch mehr Menschen kennengelernt. Erlebnisse, die sie in einem kleinen braunen Buch niedergeschrieben und mit Zeichnungen bebildert hat. Ihr Reisetagebuch. Ein Geschenk der Kollegen. Und eines, in dem nun viele Geschichten stehen. Lustige Begebenheiten, wie der morgendliche Geburtstagsgruß in den Bergen, als ein paar Ziegen zum gratulieren vorbeikamen. Aber auch das wohl größte Highlight dieser Wanderung.

In der französischen Jura ist Katrin Wachsmann ganz zufällig auf den ältesten Pilgerweg Via Francigena gestoßen.
„In der französischen Jura bin ich ganz zufällig auf den ältesten Pilgerweg Via Francigena gestoßen“, erzählt die Aschebergerin. Eine Herausforderung, die sie angenommen hat. „Zumal diese Wege gekennzeichnet sind, da fällt die Karte weg“. Kartenmaterial hat sie im Smartphone abgelegt. Wieviele Kilometer sie gewandert ist? „Keine Ahnung“, gibt sie zu. Über viele Berge auf jeden Fall, Baumgrenzen hat sie überwunden. „Da geht es um Höhenmeter“. Sie hat damit Neuland betreten. Übernachtet hat sie während der gesamten Tour an allen möglichen Stellen. Mal in den Bergen, mal bei einem Folk-Festival, mal in Italien bei einer Familie, wo sie auch kurzerhand gearbeitet hat. „Jetzt weiß ich alles über Honig“, sagt sie lachend und erzählt, dass ihr Arbeitsplatz in einer Imkerei war. Die Zeit hat sie sehr genossen. „Du kommst total runter, die Gedanken kreisen allenfalls um schlafen und Essen.“
Auch Erkenntnisse hat sie gewonnen. „Ich habe so viele Menschen und auch Familien kennengelernt, sogar Ascheberger getroffen und konnte feststellen, dass die Menschen irgendwie doch überall gleich ticken.“ Das wohl Schönste war, dass sie bei der Gelegenheit auch auf dem Wanderweg GR20 auf Korsika unterwegs war. Der anspruchsvollste Fernwanderweg Europas. Und selbst zwischen den Schluchten hat sie viele nette Menschen getroffen. Eine weitere Herausforderung, der sie sich fünf Tage gestellt hat. Das einzige was sie vermisst hat, „Sachen aus Baumwolle“, verrät sie. Denn bei solchen Touren hat man schnelltrocknende Sachen im Gepäck. Zurückgekommen ist sie um viele Erfahrungen reicher, aber mit gerade einmal 400 Fotos auf dem Smartphone.
Der Rucksack allerdings, ist kurz darauf erneut gepackt worden: Wanderziel Asien! Tina Nitsche

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